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20. September 2008

Busfahrten

Im trüben Gedankenblasendasein male ich mir aus: Apokalypse, Schwarz, Rot, Blut, Tod, das Ende der Welt…
Dann! Ja dann … hätte ich diesen Bus für mich alleine.
Aber nein stattdessen muss man sich hier in einer Backofenröhre mit geschätzten 150 weiteren Personen zusammenpferchen lassen. Das ist doch Tierquälerei, und das gehört doch verboten.
Ich merke, dass etwas nicht stimmt, verspüre diesen Schmerz unten am rechten Bein.
Achso ja klar, Miss Ich-will-aber-ein-weißes-Pony, die Kleine im rosa Kleid stützt sich mit ihrem Ellenbogen in meiner Kniekehle ab. Klar, keine Ursache, dafür bin ich ja da, nicht wahr, du kleines …
Und ständig fliegt die Handtasche der etwas arrogant-missmutig dreinschauenden, einer bösen Hexe aus alten Kinderbüchern nicht unähnlichen, Dame im besten Alter gegen meine Hüfte. Ich frage mich nur, was die Dame geladen hat. Backsteine, Zement, Boccia Kugeln ? Oder ihren toten Köter, der leider erstickt ist, da sie vergessen hat den Reisverschluss zu öffnen. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich morgen einen blauen Fleck haben werde. Nein diese Person kommt nicht in mein „Meine Freunde- Album“.
Ich wende meinen Kopf, und habe einen Anzugärmel im Mund… ich folge dem Anzugärmel entlang des Armes zu seinem Ursprung. Am Anzugsärmel hängt ein Mann, an dem Mann hängen zwei Arme am einen baumelt eine Aktentasche und am Andern, der sich weit nach oben Richtung Halteriemen gestreckt hat, hänge nun ich. Verlegen öffne ich den Mund und gebe dem Anzugsärmel seine Freiheit wieder und entschuldige mich leise.
Zu alledem kommt eine völlig unerwartete Sommerhitze dazu. Klimaanlage fehlt natürlich und mindestens fünf Leute in meinem Lufteinzugsgebiet sollten dringend mal wieder duschen, oder überhaupt einmal.
Ich fühle mich wie eine Sardine in der Dose, ab sofort werde ich Dosenfisch boykottieren, Freiheit für Sardinen.
Zu allem Überfluss hat nun auch der Busfahrer angesichts des Lärmpegels innerhalb der Busmauern keine Lust mehr auf seinen Job und sein Leben und jagt die Straße in einer halsbrecherischen Geschwindigkeit entlang als wolle er sagen „Siehst du Mama und ich bin doch Rennfahrer geworden!“.
Mir wird schlecht. In Linkskurven klebe ich am Fenster und ich Rechtskurven schnappe ich immer mal wieder aus Versehen wie ein grenzdebiler Fisch nach dem Anzugsärmel des Aktentaschenmannes auf der Suche nach Sauerstoff.
Durch die kleinen Luftschlitze, auch ironisch bezeichnet als Fenster, strömt ab und an ein kleiner Lufthauch an meinem Arm entlang.
Mein Aggressionspotenzial steigt und ich überlege ernsthaft mich mit den beiden halbstarken Jungs anzulegen, die eine Sprache gebrauchen, die so ähnlich klingt wie Deutsch, auch Jugendsprache genannt. Sie brabbeln so vor sich hin, Inhalt unbekannt, ich glaube den kennen noch nicht mal die Beiden selbst. Sie erinnern mich ein bisschen an die Teletubbies. Reden unsinniges, nicht zusammenhängendes Zeug und vollführen komische Bewegungen dabei.
Warum sind Hunde eigentlich in Bussen nicht verboten?
Liegen ständig im Weg rum und wenn man mal eine von den Fußhupen übersieht und drauf tritt, nur so ganz leicht, dann muss man sich noch nen Anschiss vom Besitzer gefallen lassen. Aber gut, er oder sie könnte sich ja auch nen Hund anschaffen, den man nicht erst mit der Lupe unterm Sandkorn suchen muss, nur um ihn dann unerwartete an der Wade hängen zu haben, da er sich unterm anderen Korn versteckt hatte und man eben doch drauf getreten ist.
Aber gut Hunde sind erlaubt im Bus, also hängt nun so ein Felldings mit hechelnder Zuge an meinem Bein und spendet mir Wärme, während es munter auf meine Flip- Flops plus Füße sabbert.
Mir geht durch den Kopf „Freiheit, Freiheeeiit ist die einzige die fehlt…“. Toll den Ohrwurm bekomm ich bestimmt den Tag über nicht mehr aus dem Kopf. Na gut besser, als würde ich als Ohrwurm aus diesem Bus den Song mitnehmen, der aus dem Handy der etwas unterintellektuell wirkenden, weiblichen Reklametafel für „Bitte verhüten, Vermehrung gefährlich“ dudelt. Fahrt Bus, das schont die Umwelt, aber warum verschont mich die Umwelt nicht?

17. September 2008

Es reicht!

Also ich will ja niemanden nie und nicht verbieten zu streiken ... aber heute habe ich versucht an die Uni zu kommen, zusammen mit Marie und Ina und heute nachdem wir knapp zwei Stunden gewartet haben ist auf einmal die Straße gesperrt worden und gar kein Bus kam mehr durch ... weil die mal wieder ihre Demo gemacht haben, wieder nur mit ner handvoll Leute, aber dafür die Hauptstraße komplett abgesperrt. Ich dachte ich fall vom Bordstein... Wenn schon Streik und Demo dann aber doch richtig oder nicht???!!! Ich mein wenn die hier was loswerden wollen, dann sollten se noch en paar mehr Heinis darum tappen lassen mit ihren Megaphonen und dem etwas gelangweilten und desinteressierten Gesichtsausdruck. Die sahen nicht wirklich danach aus, als wüssten sie was sie wollen und was sie da gerade tun. Schafft euch erst mal nen Plan an und dann fangt an hier rum zu streiken und mir aufn Wecker zu fallen. Sowas verplantes kann man doch nicht unterstützen, selbst die WWF Leute haben mehr Plan von dem was sie da gerade tun, als die paar Mäneken auf der Straße.

Außerdem ... heute ... REGEN ... sehr verrückt. Ca. eine halbe Stunde lang nerviger Fisselregen ... ungute Kombination ... Fisselregen auf den Bus warten, Hunger und dringender Drang nach "für kleine Mädchen". Meine Laune sank ... also haben wir unseren Besuch der Uni auf morgen verschoben, weil war ja eh schon wieder nur ne Stunde bis zur Siesta. Wir haben zwar versucht ein Taxi zu bekommen,also schon während dem Warten auf dem Bus, aber das kam auch nicht ... also sch*** auf die Uni. Nach essen, trinken und Regenende gings mir dann auch besser.

Aber ich mein, das kann doch echt nicht sein, dass kein einziger Bus fährt, ich sag mal knallhart durchgezogen.
Ich lobe mir das deutsche Bussystem und auch den deutschen, geordneten Streik, weil da gibts dann wenigstens Pläne die stimmen und es fahren noch Busse... mitlerweile denke ich, dass wir einfach bis Freitag diese Stadt verlassen sollten, oder bis Montag, die Überlandbusse fahren nämlich alle noch. Dann kann man wenigstens problemlos Busfahren... egal wohin ... mir doch wurscht, hauptsache nicht immer wertvolle Lebenszeit (und Einkaufsmöglichkeitzeit vor der Siesta) mit warten verschwenden ... die Spanier sind auch ziehmlich ratlos, aber so richtig angepisst anscheind auch nicht... merkwürdig... ich hab erst mal laut geflucht, worauf ich gefragt wurde, ob ich grad auf englisch fluchen würde von nem Spanier weil ich "ach fick die Henne"ausrief und mich über diese Unmöglichkeiten ereifert habe.
Morgen versuchen wir gleich ein Taxi zu bekommen, das ist doch meistens von Erfolg gekrönt.